Ausstellung vom 8.9. – 8.11.2026
mit namenhaften Künstler wie: Per Kirkeby, Paul Morrison, Philipp Fürhofer & Carsten Fock.
Wes Geistes Kind bist du? Diese Frage steht im Zentrum der Ausstellung The Spirit of Nature – und sie meint es ernst. Nicht Natur als Idylle, nicht als verlorenes Ursprüngliches, sondern Natur als Erfahrungsraum, in dem sich Wahrnehmung, Denken und künstlerische Form verschränken.
Der Philosoph Markus Gabriel bestimmt Geist als „Sinn für den Sinn“ – als jene offene, unentschiedene Dimension menschlichen Verstehens, aus der Freiheit und Fortschritt erst möglich werden. Dieser Begriff des Geistes trägt die Ausstellung: Wie erscheint Natur im Sinnfeld verschiedener künstlerischer Positionen? Und was verrät diese Erscheinung über den Blickwinkel des Beobachtenden?
Hans Blumenberg hat darauf hingewiesen, dass „Natur“ kein Ursprüngliches ist, sondern ein bereits verformter, pointierter Gegenhorizont zur menschlichen Welt. Niklas Luhmann fügt hinzu: Naturerleben ist intersubjektiv strukturiert – was ich erlebe, wird erst dadurch bedeutsam, dass andere Subjekte dasselbe erleben könnten. The Spirit of Nature nimmt diese theoretische Rahmung ernst und faltet sie in vier sehr unterschiedliche künstlerische Haltungen.
Per Kirkeby: Der dänische Maler und Bildhauer Per Kirkeby, ausgebildet als Geologe, hat auf Expeditionen nach Grönland, in die Arktis und nach Mittelamerika nicht nur geologische Strukturen kartiert, sondern Bilder von Orten festgehalten, die teils nicht mehr existieren. Seine Werke legen innere Strukturen auf äußere Natur – freier Ausdruck und genaue Beobachtung durchdringen einander. Natur bei Kirkeby ist ein Gedächtnisraum.
Paul Morrison: Paul Morrison schafft in kühnen Linien wandfüllende Schwarz-Weiß-Panoramen, die botanische Illustrationen, historische Radierungen und Popkultur miteinander verweben. Emphatische Verschiebungen im Maßstab – vom intimen Druck zur monumentalen Stahlskulptur – verwandeln das Pflanzliche in etwas Fremdes. Morrisons Gärten sind nie idyllisch; sie verhandeln das Verhältnis von Bild und Wirklichkeit.
Philipp Fürhofer: Philipp Fürhofer macht Wahrnehmung selbst zum Thema. Seine Werke aktivieren den Betrachter durch Licht: Elektrifizierte Spionspiegel, durchlässige und reflektierende Schichten erzeugen einen Wechsel zwischen Sichtbarkeit und Verdichtung. Teilhabe an der Natur wird hier zur direkten, körperlichen Erfahrung von Licht und Blick.
Carsten Fock: Carsten Fock versteht Landschaftsmalerei als historisch und kunstgeschichtlich kontaminiertes Sujet. In seiner Praxis verbindet er Biografie mit kritischer Reflexion der Ost-West-Malerei im geteilten Deutschland. Seine Gemälde – entstanden u. a. in Vejby – suchen einen Nullpunkt: Farbräume, aus denen die Landschaft selbst verschwindet. Rudimentäre physische Wahrnehmung – Licht, Farbe, Witterung, Temperatur – verdichtet sich zur Essenz.
The Spirit of Nature versammelt vier Positionen, die einander nicht ähneln – und gerade deshalb gemeinsam zeigen, wie vielgestaltig der „Geist“ ist, mit dem wir Natur begegnen.
